Architekturbüros entwerfen mit KI-Unterstützung
Wenn es um Innovationen geht, gelten Architektinnen und Architekten als trendaffine „Early Adopter“ mit einem neugierigen Magen. Und tatsächlich: Die Nutzung von KI im Arbeitsprozess bildet keine Ausnahme. KI-Tools, allen voran ChatGPT, haben sich rasant im Architekturalltag etabliert. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des BauInfoConsult-Mutterschiffs USP Marketing Consultancy zur Nutzung digitaler Planungsmethoden in zehn Ländern. Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Architekturschaffenden hat demnach laut eigener Aussage bereits ernsthaft Erfahrung mit KI-generierten Inhalten in der Entwurfsplanung gemacht. Sieht man genauer hin, beschränkt sich die überwiegende Mehrheit der Fälle von KI-Anwendung noch auf visuelle und dokumentarische Aufgaben, wie etwa KI-generierte Renderings oder Spezifikations-Textbausteine. Zu komplexeren, prozessintegrierten Anwendungen kommt es bislang freilich nur vereinzelt. Was steht einem breiteren Einsatz von KI aus Sicht der Planungsbranche im Weg?
54 Prozent der deutschen Architekturfirmen haben bereits ChatGPT und Co. im Einsatz
In 1.076 telefonischen Interviews mit Architekturbüros in West-, Süd-, Nord- und Mitteleuropa, darunter 125 Firmen aus Deutschland, stellte sich heraus, dass 59 Prozent der europäischen Architekturbüros in ihren Entwürfen regelmäßig oder zumindest gelegentlich mit KI-Anwendungen experimentieren. Die KI-Nutzungsniveaus variieren je nach Digitalisierungskultur der verschiedenen Länder zum Teil deutlich nach oben oder unten – Deutschland liegt mit einem Wert von 54 Prozent jedoch nur knapp unter dem 10-Länder-Durchschnitt.
Jung, in größeren Firmen, mit Standardtools – Steckbrief der KI-affinen Architekturschaffenden
Wie sieht eine typische KI-Nutzerperson in der Architekturbranche aus? Erwartungsgemäß ist die Nutzung unter jüngeren Befragten bis 34 Jahre verbreiteter. Und die Nutzungsniveaus sind bei größeren Unternehmen höher als in kleinen Büros. Wer baubranchenmaßgeschneiderte Spezial-KI erwartet, wird allerdings enttäuscht: Die meistgenannten Tools sind gängige Anwendungen wie ChatGPT oder Copilot, mit denen viele Architekten vermutlich auch schon außerhalb von Planungskontexten Erfahrungen gesammelt haben.
Fest integriert in den Designprozess ist KI noch nicht
Messbare Produktivitätssteigerungen sind weiterhin begrenzt und uneinheitlich, insbesondere im Bereich der Modellierung. KI spielt derzeit ihre Stärken eher in der Ideenfindung und Dokumentation als in den Kernprozessen aus. Der Markt experimentiert – die Integrationsreife ist jedoch noch ausbaufähig.
Die Akzeptanz wird nicht durch fehlende Geschicklichkeit eingeschränkt
Was schränkt die Verbreitung von KI vor allem ein? Einen Hinweis geben die Begründungen der Architektinnen und Architekten, die KI nicht nutzen, für diese Entscheidung. Dabei zeigt sich: Die größte Hürde für die Einführung von KI liegt nicht in der technischen Komplexität oder fehlenden Skills auf Seiten der Architekturschaffenden, sondern darin, dass viele keinen Mehrwert erkennen.
Fehlende Zeit für das Experimentieren mit neuen Methoden wird öfter angeführt, vor allem aber sind sich die KI-Muffel darin einig, dass sie keinen Nutzen in der Arbeit mit KI im Entwurfsprozess sehen. Einige Unternehmen sind nach wie vor nicht überzeugt, dass KI unter realen Projektbedingungen spürbare Verbesserungen mit sich bringen wird. Das Studienteam von USP resümiere, wie schnell eine KI-Adoption auf breiterer Basis erfolgen könne, werde eher von einer nachweislichen Workflow-Integration und konkreten Effizienzsteigerungen abhängen als von einem gesteigerten Bewusstsein für KI.
Über die Studie
Die Studie „Architekturbüros: Digitale Tools“ im Rahmen der Studienreihe „Europäischer Architekturbarometer“ untersucht die Bedeutung von digitalen Tools und KI-Anwendungen für die Entwurfspraxis von Architektinnen und Architekten sowie die Marktdurchdringung und Art der Nutzung von BIM bei Architekturbüros im 4. Quartal 2025.
Im Detail geht es z. B. um
- Interesse & Experimente der Architekturbüros mit KI-Tools in der Entwurfsplanung
- genutzte KI-Anwendungen im Entwurfsprozess, Arbeitsschritte mit KI-EInsatz
- Zeitersparnis durch KI-Anwendungen, Gründe für Nichtnutzung
- Bekanntheits- und Nutzungsgrad von BIM
- Entwicklung der BIM-Nutzung, Umsatzrelevanz & Anteile im Projektvolumen der Betriebe
- Tempo der BIM-Adaption & Hindernisgründe
- genutzte Anwendungen in BIM-Modellen (2- u. 3 D-Modellierung, Mengenkalkulationen, Kollisionsprüfungen, 5D-Kostenberechnungen, Simulationen, Common Data-Environment ..:))
- genutzte BIM-fähige Software
- Entwicklung der Kundennachfrage
- Erfahrungen mit Datenaustausch /Formaten
- Bedeutung von in BIM hinterlegten Nachhaltigkeitsinformationen
Die Resultate der Erhebung liegen insgesamt für 10 europäische Länder vor (neben Deutschland UK, Frankreich, Spanien, Italien, Niederlande, Belgien und Polen kommen erstmals bei einer USP-Multiclient-Erhebung zum Thema BIM auch die innovativen und digitalaffinen Architekturmärkte Dänemark und Schweden hinzu). Ebenfalls inkludiert ist die Entwicklung der internationalen Architekturkonjunktur in der laufenden Barometermessung „Europäischer Architekturbarometer“. Der kostenpflichtige Bericht für Deutschland mit Ergebnissen aus 125 Interviews mit deutschen Architekturbüros kann bei BauInfoConsult bezogen werden.
Der Beitrag Architekturbüros entwerfen mit KI-Unterstützung erschien zuerst auf BIM Magazin – Building Information Modeling.