Orca Group: Acht Baustoftware-Marken unter einem Dach
Acht Namen, die in vielen Büros und Baucontainern seit Jahren herumgereicht werden wie vertraute Werkzeuge: Acclaro, BauerSoftware, COSOBA, ISHAP, NetzWerkPlan, ORCA Software, PROJEKT PRO und SOFTTECH. Jetzt stehen sie gemeinsam auf einem Etikett: Orca Group. Der neue Verbund will die Digitalisierung von Bauprojekten „über alle Phasen hinweg“ beschleunigen – und verspricht weniger Komplexität, bessere Zusammenarbeit und spürbare Entlastung im Projektalltag. Im Hintergrund: LEA Partners, dort ist die Orca Group im Portfolio verortet.
Das ist erst mal eine Ansage, die man im Bauwesen nicht ignoriert. Denn die Branche hat ein strukturelles Problem, das sich nicht mit einem weiteren Tool allein lösen lässt: zu viele Beteiligte, zu viele Datenquellen, zu viele parallele Systeme. Medienbrüche sind nicht der Ausnahmefall, sondern Alltag. Genau hier setzt die Gruppe rhetorisch an – und genau hier wird sie sich messen lassen müssen.
Wo die Gruppe den Nerv trifft
Die Orca Group beschreibt Bauprojekte als zunehmend unübersichtlich: verschiedene Gewerke, getrennte Datenhaushalte, Planungs- und Ausführungsteams, die in unterschiedlichen Softwarewelten leben. Der Verbund will eine Grundlage für „vernetzte Software“ schaffen, die Prozesse durchgängig unterstützt und Planung wie Ausführung transparenter macht. Das klingt nach dem klassischen Versprechen: weg vom Patchwork, hin zu weniger Reibungsverlusten.
CEO Manfred Scholz formuliert das in einer Nutzensprache, die im Baukontext ankommt: starke Marken zusammenbringen, digitales Arbeiten „einfacher und verlässlicher“ machen, damit mehr Freiraum bleibt für „Zeit für große Ideen“ und Arbeit, „die man gerne macht“. Das ist sympathisch, aber nicht banal: Wenn Software wirklich entlastet, merkt man das nicht an Marketingwörtern, sondern daran, ob Menschen weniger doppelt pflegen, weniger nachtelefonieren und seltener in Excel flüchten.
Stärken behalten, Schnittstellen liefern
Wichtig ist der zweite Teil der Botschaft: Die acht Unternehmen sollen als Marken, Teams und Ansprechpartner „wie gewohnt“ bestehen bleiben. Das nimmt erst mal Angst raus – vor allem bei Anwendern, die Support-Ketten und Produktumstellungen eher als Risiko erleben.

Gleichzeitig verspricht die Gruppe, Kompetenzen in Technologie, Datenarchitektur und Schnittstellenentwicklung zu bündeln. CTPO Christian Menk setzt noch eins drauf: Produkte sollen nicht nur „digitalisieren“, sondern Daten sollen „nahtlos fließen“, Prozesse ineinandergreifen, Teams schneller zu guten Entscheidungen kommen. Außerdem fallen Schlagworte wie KI, Cloud- und Daten-Plattformen. Presserechtlich sauber ist hier vor allem eines: Es sind Absichtserklärungen. Der harte Teil beginnt dort, wo Systeme mit historisch gewachsenen Datenmodellen wirklich miteinander sprechen sollen – und wo Verantwortlichkeiten zwischen Produktteams, Plattform und Kundenprojekten sauber geklärt werden müssen.
Von CAD bis Ausschreiben: der Anspruch auf Durchgängigkeit
Inhaltlich positioniert sich die Orca Group entlang der gesamten Wertschöpfungskette: CAD, AVA, CDE/BIM, Controlling, Baustellendokumentation sowie die Content-Plattform AUSSCHREIBEN.DE werden ausdrücklich genannt. Das ist breit – und zugleich ein Hinweis, worauf der Verbund abzielt: auf Durchgängigkeit, nicht auf ein einzelnes Leuchtturmprodukt.
Matthias Werner, Geschäftsführer der ORCA Software, ordnet den Zusammenschluss aus Sicht seines Hauses ein: ORCA AVA, AUSSCHREIBEN.DE und Apps unterstützten Planer, Produkthersteller und Projektpartner bereits dabei, „sicherer, schneller und kooperativer“ zu arbeiten; in der Orca Group ließen sich diese Stärken enger mit den Lösungen der anderen Mitglieder verzahnen. Übersetzt: Der Verbund soll Integration beschleunigen, ohne den Markt mit einer Komplettumstellung zu überrollen.
Ob das aufgeht, entscheidet sich an einem simplen Maßstab: Werden Arbeitsschritte tatsächlich nahtlos verknüpft – oder entstehen am Ende nur neue „Brücken“, die gepflegt werden wollen? Die Gruppe setzt jedenfalls bewusst auf den Nutzenbegriff „Termin- und Kostensicherheit“ sowie Qualität und „nachhaltigeres Bauen“. Das sind in der Baupraxis keine Buzzwords, sondern harte Kennzahlen – nur eben solche, die Software allein nicht garantieren kann. Aber sie kann helfen, dass weniger schiefgeht, weil Informationen konsistenter werden und Entscheidungen auf derselben Datenbasis fallen.
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