Wie GIS und BIM im Bauwesen zueinanderfinden sollen
Die Idee klingt bestechend: Digitale Gebäudemodelle und geografische Informationssysteme miteinander zu verknüpfen, um Bauprojekte intelligenter, schneller und ressourcenschonender zu realisieren. Doch zwischen Theorie und Praxis liegt oft ein tiefer Graben. Denn wo BIM auf GIS trifft, ist das Chaos nicht selten programmiert. Eine neue Handreichung von buildingSMART Deutschland will nun Licht ins Daten-Dunkel bringen.
Zwischen Kartenausschnitt und Klinkerfassade
Geboren wurde das Vorhaben aus einem Dilemma, das viele Planer und Auftraggeber nur zu gut kennen. Einerseits liefern GIS-Systeme wertvolle Informationen über Topografie, Infrastruktur und Umweltbedingungen. Andererseits bildet BIM die physische und funktionale Realität eines Bauwerks digital ab. Zwei Welten also, die sich ergänzen könnten – wenn sie denn dieselbe Sprache sprächen.
In mehreren Workshops mit bis zu 60 Teilnehmenden – initiiert von der Fachgruppe BIM- und GIS-Integration von buildingSMART Deutschland – wurde genau dieser Konflikt seziert. Die Diskussionen, die 2023 ihren Anfang nahmen und bis ins Jahr 2024 andauerten, mündeten in eine Publikation, die nun im bSD Verlag erschienen ist.
Wo die Probleme wirklich beginnen
Laut den Autoren hapert es bereits am Start: Falsch georeferenzierte Daten, vage definierte Ziele, unvollständige Ausgangsinformationen. Wer hier nicht sauber arbeitet, tappt schnell im Dunkeln. Die neue Handreichung zeigt, wie sogenannte Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) konkretisiert werden können, um derartige Stolperfallen zu vermeiden.
Dabei geht es nicht um akademische Theorien, sondern um praktische Fragen: Welche GIS-Daten müssen überhaupt geliefert werden? Wie lassen sich diese sinnvoll beschreiben und eindeutig verorten? Und was tun, wenn durch unterschiedliche Koordinatensysteme plötzlich ganze Gebäude an den falschen Stellen stehen?
Keine Blaupause, aber ein Werkzeugkasten
Die Verfasser geben keine fertigen Rezepte an die Hand, wohl aber einen Werkzeugkasten. Die Empfehlungen reichen von administrativen Strategien für die Datenanforderung bis hin zu technischen Hinweisen zum Umgang mit Verzerrungen bei der Georeferenzierung. Adressiert wird damit ein breites Publikum: von Auftraggebern über Planungsbüros bis hin zu den Ausführenden vor Ort.
buildingSMART Deutschland versteht die Publikation als Anstoß für mehr Klarheit und Kommunikation im digitalen Bauprozess. Denn nur wenn GIS und BIM sinnvoll zusammenspielen, kann das vielzitierte Potenzial auch tatsächlich gehoben werden.
Die Handreichung steht auf derInternetseite von buildingSMART Deutschland zur Verfügung: https://buildingsmart-verlag.de/produkt/gis-in-bim-projekten
Der Beitrag Wie GIS und BIM im Bauwesen zueinanderfinden sollen erschien zuerst auf BIM Magazin – Building Information Modeling.